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        62. Internationale Filmfestspiele Berlin (09. - 19.02.2012)      
   
   
 
Goldener Bär für "Cesare deve morire"
Regiepreis für Christian Petzold

Mit der Preisverleihung am Samstag, 18. Februar, erreichte die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin ihren Abschluss. 1.600 Gäste waren zur feierlichen Gala im Berlinale Palast . Als Abschlussfilm der diesjährigen Berlinale wurde im Anschluss an die Zeremonie der Gewinner des Goldenen Bären präsentiert. Die Jury der 62. Berlinale vergab den Hauptpreis überraschend an die Taviani-Brüder und ihrem Film "Cesare deve morire". Christian Petzold erhielt für seinen Film "Barbara" mit Nina Hoss in der Hauptrolle den silbernen Bären für die beste Regie. Der Große Preis der Jury ging an den ungarischen Film „Csak a szel“ von Bence Fliegauf.

Das Publikum strömte auch dieses Jahr wieder in die Kinos: Insgesamt wurden etwa 300.000 Karten verkauft. Die Initiative „Berlinale goes Kiez“ erwies sich erneut als großer Publikumsliebling: Bei der Reihe zieht der Fliegende Rote Teppich des Festivals von Programmkino zu Programmkino und besucht das Berliner Publikum in „seinen“ Kiez-Kinos.


PanoramaPublikumsPreise

Das Publikum hat abgestimmt: Der 14. PanoramaPublikumsPreis, verliehen von der Berlinale Sektion Panorama, in Zusammenarbeit mit Radioeins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und dem Stadtmagazin tip berlin, geht im Bereich Spielfilm an Parada. Bei den Dokumentarfilmen konnte sich Marina Abramovic The Artist is Present gegen seine Mitbewerber durchsetzen.

Der PanoramaPublikumsPreis wird seit 1999 verliehen. Seit 2011 wird sowohl der beste Spielfilm als auch der beste Dokumentarfilm geehrt. Die Preisstatuen stammen vom Berliner Künstler Christian Bilger. Während der gesamten Berlinale waren die Kinobesucher aufgerufen, per Stimmkarte im Kino bzw. im Internet die Filme der Sektion Panorama zu bewerten. Insgesamt werden über 23.500 Stimmen abgegeben und ausgewertet.
Das Panorama präsentierte in diesem Jahr 53 Produktionen aus 37 Ländern, davon 20 in der Reihe Panorama Dokumente. Während sich bei den Dokumentarfilmen mit Marina Abramovic The Artist is Present bereits am ersten Tag der Gewinnerfilm an die Spitze setzte und letztendlich mit deutlichem Abstand gewann, blieb es bei den Spielfilmen bis zum Schluss spannend.

PanoramaPublikumsPreis Gewinner - Spielfilm 2012:
Parada (The Parade) Serbien, Republik Kroatien, Mazedonien, Slowenien 2011 Regie: Srdjan Dragojevic
2. Platz Diaz - Don't Clean Up This Blood Italien, Rumänien, Frankreich 2012 Regie: Daniele Vicari
3. Platz Xingu Brasilien 2011 Regie: Cao Hamburger

PanoramaPublikumPreis Gewinner - Dokumentarfilm 2012:
Marina Abramovic The Artist is Present USA 2011 Regie: Matthew Akers
2. Platz Call Me Kuchu USA 2012 Regie: Malika Zouhali-Worrall, Katherine Fairfax Wright
3. Platz La Vierge, les Coptes et Moi (The Virgin, The Copts And Me) Frankreich, Katar, Ägypten 2012 Regie: Namir Abdel Messeeh
 


Der Caligari-Filmpreis 2012 geht an:
Tepenin Ardı (Beyond the Hill) Emin Alper, Türkei, Griechenland

Ein Vater, zwei Söhne, drei Enkel - eine Männergesellschaft, aus drei Generationen, lauter inglourious basterds, irgendwo in der Türkei. Man lebt eins mit der Natur, mit den Tieren, zwischen Fluss und Wäldern, inmitten einer atemberaubend schönen, wilden Berglandschaft, und mit "den Anderen", den Feinden hinter den Bergen. Im Laufe einer Geschichte, die sehr ruhig und konzentriert beginnt, und immer schneller und dichter wird, wechselt unsere Blickrichtung immer wieder. In Großaufnahmen lernen wir die einzelnen Personen als Individuen, als Menschen in ihrer Würde kennen. Wir werden dann auch Zeugen einer Familienaufstellung mit filmischen Mitteln, die die inneren Risse, die Dynamik und Spannung dieser drei Generationen aufzeigt. Dann wieder sehen wir Soldaten, uniformierte Besucher, die - wie Aliens aus einem anderen Universum -, durch die Berge streifen. Schließlich wirkt die Kamera selbst wie ein Besucher aus einer anderen Welt, wie ein Voyeur, der durch die Büsche, versteckt, von außen dem Treiben zusieht.

In seinem allerersten Film ist Emin Alper ein unerhört reifes Werk geglückt, das echtes Kino ist und unbedingt die große Leinwand verdient. Alper entfaltet einen Strudel voller Bezüge und unter der Oberfläche lauernder Konflikte. "Tepenin Ardı" fragt danach, was den Mann zum Mann macht: Die Frau? Die Waffe in der Hand? Das Stück Land unter den Füßen? Die Feinde? Er zeigt den Zusammenprall von Tradition und Moderne, von Stadt und Land, guten Sitten und Amoral, Träumen und Wirklichkeit, osmanisch-imperialer Vergangenheit und republikanischer Zukunft, und in alldem einen Mikrokosmos der türkischen Gegenwartsgesellschaft. Und er zeigt das "Andere"


Außerdem werden zwei lobende Erwähnungen für die besten Dokumentarfilme im diesjährigen Forum vergeben: Bagrut Lochamim (Soldier / Citizen) Silvina Landsmann, Israel Escuela normal (Normal School) Celina Murga, Argentinien

Die Jurymitglieder: Angelina Hofacker (Caligari FilmBühne, Wiesbaden) Rüdiger Suchsland (FILM-DIENST, Berlin) Dagmar Wagenknecht (Kinoklub am Hirschlachufer, Erfurt)
 


Berlinale 2012: Gläserne Bären bei Generation 14plus

Die Mitglieder der Generation 14plus Jury Klara Kruse Rosset Gülcan Çil Solveig Lethen Jarnail Fang Yu Singh Sekhon Sami Yacob Nico Palesch Lino Steinwärder vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den besten Film:
Lal Gece von Reis Çelik, Türkei 2011 Getragen von den brillanten Schauspielern konnten wir in die Gefühlswelt zweier Menschen eintauchen, die gefangen sind, weil ihre Familientraditionen bedeutender sind als der eigene Wille. Ganz besonders beeindruckte uns der Drehort, das Zimmer des Geschehens, dem der Zuschauer – genau wie das betroffene Paar – nicht entkommen kann.

Lobende Erwähnung:
Kronjuvelerna von Ella Lemhagen, Schweden 2011 Freundschaft, Liebe, Familie, der Kontrast zwischen Arm und Reich, Behinderung und Krankheit sind nur wenige der Themen, die sich in diesem komplexen filmischen Werk zu einem wundervollen, großen Ganzen zusammenfügen. Seine märchenhafte Machart beschönigt nicht die Dramatik der Ereignisse. Die Schauspieler haben uns in ihren Bann gezogen und tief berührt. Eine echte Meisterleistung!

Gläserner Bär für den besten Kurzfilm:
Meathead von Sam Holst, Neuseeland 2011 Innerhalb weniger Minuten vollzieht sich ein radikaler Umbruch von der Kindheit zum Erwachsensein. In dokumentarischen Bildern wird der traurige Ritus einer Gemeinschaft sichtbar. Der Film erzählt exemplarisch vom Gruppenzwang und vom sozialen Druck, der sich in allen Gesellschaften finden lässt. Für uns hat dieses Werk alles, was einen guten Kurzfilm ausmacht.

Lobende Erwähnung:
663114 von Isamu Hirabayashi, Japan 2011 Bilder und Tonebene kommen zusammen, um ein philosophisches und tiefsinniges Werk zu schaffen. Jenseits aller Konventionen ist es dem Regisseur gelungen, seine Nachricht beeindruckend zu vermitteln. Durch eine einfache Metapher erzählt er uns vom Überleben, auch in katastrophalen Zeiten.
 


Berlinale 2012: Gläserne Bären bei Generation 14plus

Die neun Mitglieder der internationalen Jury – Organisatoren queerer und anderer Filmfestivals – sichten Filme aus allen Sektionen der Berlinale mit queerem Kontext. In jeder Kategorie werden drei Filme nominiert und je einer gewinnt den TEDDY AWARD für den besten Spielfilm, den besten Dokumentarfilm/Essay und den besten Kurzfilm.

The TEDDY for the Best Feature Film geht an Keep The Lights On - Ira Sachs
Jury Statement: Dieser Film zeichnet ein intimes Portrait der Schwierigkeiten beim Aufbauen liebevoller, unterstützender und ehrlicher Beziehungen. Präzise wird dabei die Waage gehalten zwischen genauer Beobachtung und kinematographischer Glanzleistung, so dass der Film universelle Themen mit einer einzigartigen visuellen Bandbreite zum Leben erweckt.

The TEDDY for the Best Documentary Film geht an:
Call Me Kuchu - Malika Zouhali-Worrall, Katherine Fairfax Wright
Jury Statement: Die Jury ehrt diese wichtige Geschichte, die intelligent und pointiert umrissen wird und das Leben und mutige Beispiel eines alltäglichen Helden würdigt und zugleich schockierende Menschenrechtsverletzungen offenlegt. Die Botschaft der Dokumentation wird global aufgenommen und als ein Aufruf zum Handeln verstanden.

The TEDDY for the Best Short Film geht an:
Loxoro – Claudia Llosa
Jury Statement: Die Jury war beeindruckt von der meisterhaften Art, in der der Film das Leben einer kaum beschriebenen Gemeinde beleuchtet und ehrt, dabei evoziert er eine Reibung und doch auch eine Menschlichkeit, die selten derart vollendet realisiert wird im Kurzfilm.

Die TEDDY Jury vergibt den Special Jury Award an Jaurès - Vincent Dieutre
In diesem Jahr vergibt der TEDDY e.V. einen SPECIAL TEDDY AWARD an: Mario Montez und an Ulrike Ottinger
 


Jubiläumsausgabe des Berlinale Talent Campus

Der 10. Berlinale Talent Campus fand seinen glanzvollen Abschluss mit der Preisverleihung der Score Competition, bei der die drei Finalisten unter dem diesjährigen Mentor Ryūichi Sakamoto den Kurzfilm Luminaris von Juan Pablo Zaramella neu vertont haben. Die Jurymitglieder Martin Steyer, Ziska Riemann und Martin Todsharow sprachen den von Dolby ausgelobten Preis dem deutschen Komponisten Christoph Fleischmann zu. Fleischmann gewinnt eine einwöchige Reise zu den Tonstudios in Los Angeles.
 


This Ain’t California von Marten Persiel mit dem Preis „Dialogue en perspective“ ausgezeichnet

Im Rahmen der Preisverleihung der Unabhängigen Jurys der Preis „Dialogue en perspective“ wurden von einer jungen deutsch-französisch-slowakischen Jury vergeben. In diesem Jahr geht er an den Film This Ain’t California von Marten Persiel. Der Preis wurde 2004 vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW), offizieller Partner der Berlinale, gemeinsam mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin ins Leben gerufen. Die junge Jury, bestehend aus drei deutschen, drei französischen und einem slowakischen Cineasten im Alter zwischen 20 und 26 Jahren, entschied über die Vergabe des „Dialogue en perspective“. Unter der Leitung des Jurypräsidenten, dem Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg, sahen die Jurymitglieder die 13 Beiträge der Berlinale Sektion Perspektive Deutsches Kino unter einem deutsch-französisch-slowakischen, jungen Blickwinkel und diskutierten anschließend leidenschaftlich darüber, welches filmische Werk sie am meisten beeindruckt hat und somit den „Dialogue en perspective“verdient.


Warum This Ain’t California schließlich gekürt wurde, begründet die Jury wie folgt: „Wir verleihen den Preis ‚Dialogue en perspective’ an This Ain’t California für seine visuelle Kraft und seinen stilsicheren Schnitt. Mit mitreißender Dynamik verbindet er eine persönliche Geschichte mit dem kollektiven Gedächtnis der DDR. Selten wurde man so großartig manipuliert.” Das DFJW möchte mit der Vergabe des „Dialogue en perspective“-Jurypreises zum einen den jungen deutsch-französischen Austausch und zum anderen den interkulturellen Dialog über Film, dabei insbesondere über junge deutsche Produktionen, fördern.
 


AMNESTY-FILMPREIS FÜR JUST THE WIND

Der Amnesty-Filmpreis auf der diesjährigen Berlinale geht an "Just the Wind" ("Csak a szél") von Bence Fliegauf (Ungarn/Deutschland/Frankreich, 2012). Der Film lief in der Sektion Wettbewerb des Festivals.

"Der Film weist kunstvoll auf die erschreckende Situation der Roma in Ungarn hin", begründete die Amnesty-Jury (Schauspielerin Birgit Minichmayr, Regisseur Ayat Najafi und Markus Beeko von Amnesty International) die Entscheidung. "Bence Fliegauf erinnert uns auf eindringliche Weise daran, was es für Menschen bedeutet, zwischen alltäglicher Diskriminierung und rassistischem Terror zu leben."

Ausgehend von einer realen Mordserie, der in Ungarn in gut einem Jahr acht Menschen zum Opfer fielen, schildert Fliegauf die Pogromstimmung, aus der Gewalt gegen Minderheiten entsteht. "Der Zuschauer erlebt den Alltag einer Roma-Familie bis zu ihrer Ermordung. Das sich ankündigende tragische Ende liegt beklemmend über der Sommeridylle", sagte Schauspielerin Birgit Minichmayr bei der Verleihung des Preises in Berlin. "Die außergewöhnliche Nähe, die die nervöse Kameraführung schafft , bringt uns der Angst der Protagonisten verstörend nahe. Deswegen verdient das Team von Just the Wind den Amnesty-Filmpreis!"

Der Amnesty-Filmpreis wurde in diesem Jahr zum achten Mal verliehen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger sind "Barzakh" von Mantas Kvedaravicius (2011), "Waste Land" von Lucy Walker und "Son of Babylon" von Mohammed Al-Daradji (beide 2010), "Sturm" von Hans-Christian Schmid (2009), "Sleep Dealer" von Alex Rivera (2008), "Bei Einbruch der Dunkelheit" von Anders Nilsson (2007), "U Nergiz Biskivin" von Masoud Arik Salih und Hussein Hassan Ali (2006) und "Paradise Now" von Hani Abu-Assad (2005). Der Amnesty-Filmpreis wird neben der Berlinale auf internationalen Filmfestivals in Amsterdam, Rotterdam, Kopenhagen und Los Angeles vergeben. Mit dem Preis möchte Amnesty International die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Publikum auf das Thema Menschenrechte lenken und Filmemacher dazu ermutigen, sich dieses Themas verstärkt anzunehmen.
 


      62. Internationale Filmfestspiele Berlin (09. - 19.02.2012)  
 



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