Zugang
und Verstehen erleichtern
Damit auch Menschen mit Behinderungen
die Vorstellungen besuchen und alle Details erfassen
können, hat die Aktion Mensch das Festival barrierefrei
gestaltet. Sämtliche Kinos sind rollstuhlgeeignet. Für
Hörgeschädigte und Sehbehinderte stehen Untertitel und
Audiobeschreibungen zur Verfügung. Drei Filme sind zusätzlich
für Zuschauer mit Leseeinschränkungen synchronisiert.
Gespräche mit Machern und Helden
„ueber Mut“ ist nach „ueber
Arbeiten“, „ueber Morgen“ und „ueber Macht“ das vierte
Filmfestival der Aktion Mensch, das bundesweit stattfindet.
Es wird gemeinsam mit 19 überregionalen und rund 3.000
lokalen Kooperationspartnern realisiert. Die Kinobetreiber
und Veranstalter der einzelnen Städte organisieren das
Festival weitgehend eigenständig, die Aktion Mensch unterstützt
sie beispielsweise mit Technik und Werbemitteln. Nach jeder
Vorstellung gibt es ein Publikumsgespräch, in dem Fragen
gestellt und Eindrücke geteilt werden können. Um lebensnah
zu vermitteln, was Mut bewegen kann, nehmen in einigen
Städten Regisseure und Akteure der Filme an den Diskussionen
teil.
Über die Aktion Mensch e.V.
Die Aktion Mensch ist die größte
private Förderorganisation im sozialen Bereich und eine der
erfolgreichsten gemeinnützigen Organisationen in Deutschland.
Die Soziallotterie wurde 1964 als Aktion Sorgenkind gegründet
und im Jahr 2000 in Aktion Mensch umbenannt. Zu den Mitgliedern
der Aktion Mensch gehören: ZDF, Arbeiterwohlfahrt, Caritas,
Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Der Paritätische Gesamtverband,
Zentral wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Gemeinsam
setzen sie sich für eine gerechte und solidarische Gesellschaft
ein, in deren Mittelpunkt Inklusion, Vielfalt und Selbstbestimmung
stehen. Mit ihren Erlösen unterstützt die Aktion Mensch rund
13.500 soziale Projekte der Behindertenhilfe und -selbsthilfe
sowie der Kinder- und Jugendhilfe pro Jahr. Möglich machen
dies rund fünf Millionen Menschen, die sich regelmäßig an
der Aktion-Mensch-Lotterie beteiligen. Mit einer Fördersumme
von 166 Millionen Euro erwirtschaftete die Aktion Mensch
in ihrem Geschäftsjahr 2009 die höchste Fördersumme seit
ihrem Bestehen.
DIE FILME – KURZINHALTE
ANTOINE
CAN 2008 | Regie: Laura Bari, 80 Min., Dok.,
DF (dt. Voiceover bei franz. Originalsprache) / Audiodeskription
/ UT für Gehörlose
Antoine malt, übt Korbwürfe und fährt Schlittschuh. Ob eine
Bewegung sitzt, muss der Sechsjährige fühlen oder hören.
Er ist von Geburt an blind, aber er besucht eine normale
Schule, wo ihn Lehrer und Mitschüler unterstützen. Auch die
Regisseurin Laura Bari fordert Antoine heraus. Sie macht
ihn zum Co-Autor ihres Films. Gemeinsam treiben sie die Idee
auf die Spitze, dass ein blinder Junge das Gleiche tun kann
wie ein Sehender. Privatdetektiv Antoine braust mit dem Auto
über die Landstraße, auf der Suche nach der mysteriösen Madame
Rouski, die sich beim Duschen in tausend Tropfen aufgelöst
hat. Die Botschaft des verspielten Abenteuers: Was die Sinne
nicht wahrnehmen, ersetzt die Fantasie.
BUDRUS
USA 2010 | Regie: Julia Bacha, 97 Min., Dok., OmU / Audiodeskription
/ UT für Gehörlose
Gewaltfreier Widerstand in Palästina – in den Nachrichten
über den Nahost-Konflikt geht dieser Teil der Geschichte
meist unter. „Wir haben keine Zeit für Krieg, wir wollen
unsere Kinder großziehen“, sagt der Palästinenser Ayed Morrar,
Anführer eines friedlichen Protests. Als Israels Regierung
2003 einen Schutzwall zum Westjordanland errichtet, soll
dieser auch auf palästinensischem Boden gebaut werden. Dadurch
würden einige Dörfer große Teile ihrer Felder verlieren.
Die Bewohner von Budrus begehren auf. 55 Mal werden sich
Männer und Frauen aus dem Dorf unbewaffnet der israelischen
Grenzpolizei entgegenstellen. Politisch ausgewogen verfolgt
der Film „Budrus“ das Geschehen, zeigt die Wut der Demonstranten
ebenso wie das Dilemma der israelischen Soldaten.
DIE KINDER VON DON QUIJOTE
Les Enfants de Don Quichotte, F 2008 | Regie: Ronan Dénécé,
Augustin Legrand, Jean-Baptiste Legrand, 75 Min., Dok., OmU
/ Audiodeskription / UT für Gehörlose
Für die Kandidaten um die französische Präsidentschaft ist
es ein unbequemes Szenario: Im Herbst 2006 schlagen zahlreiche
Obdachlose im Zentrum von Paris ihre Zelte auf. Eine Demonstration,
initiiert von zwei engagierten Bürgern, den Brüdern Augustin
und Jean-Baptiste Legrand. Selbst nicht wohnsitzlos, fordern
sie Solidarität mit den rund 100.000 Menschen, die in Frankreich
auf der Straße leben. Über das Internet rufen die Legrands
die Pariser auf, einige Nächte bei den Obdachlosen zu verbringen.
Die Aktion der Gruppe, die sich „Kinder von Don Quijote“
nennt, hat ein konkretes Ziel. Der Staat soll jedem Bürger
dauerhaften Wohnraum zusichern. Unter dem öffentlichen Druck
verspricht der Kandidat Nicolas Sarkozy Tausende neuer Wohnprojekte.
Die Geschichte ist ein Beispiel dafür, was Wahlversprechen
sein können.
DIE ZEIT IHRES LEBENS
The Time of Their Lives, GB 2009 | Regie: Jocelyn Cammack,
70 Min., Dok.,
DF (dt. Voiceover bei engl. Originalsprache) / Audiodeskription
/ UT für Gehörlose
Wenn britische Intellektuelle im Altersheim leben, tun sie
das mit Stil. In der Residenz Mary Feilding Guild im Norden
Londons erscheint man zum Essen in Kostüm und Anzug. Das
Seniorenheim ist bekannt dafür, alte Menschen körperlich
und geistig besonders zu fördern. Hier leben auch Alison,
Hetty und Rose, zusammen 290 Jahre alt. Die eine ist Autorin,
die andere Journalistin, die dritte Friedensaktivistin. Die
drei verbindet eine selbstironische Art und die Freude daran,
ihre Erfahrungen weiterzugeben. In einer Lebensphase, die
in unserer Gesellschaft als unproduktiv gilt, mischen sie
sich ein in öffentliche Debatten – mit Zeitungsartikeln und
bei Demonstrationen. Ein respektvoller Blick auf das hohe
Alter, wie es sich jeder wünschen würde.
EINE FLEXIBLE FRAU
D 2010 | Regie: Tatjana Turanskyj, 97 Min., Spielfilm, DF
/ Audiodeskription / UT für Gehörlose
Auf die Erfolgsspur hat die Architektin Greta (Mira Partecke)
nie so recht gefunden. Zu profan und profit orientiert sind
für sie die Projekte, die in Berlin realisiert werden. Jetzt,
mit 40, verliert die alleinstehende Mutter ihre Arbeit. Die
Stellensuche entwickelt sich zu einem Trip durch die neue
Leistungsgesellschaft. Beim Jobben im Callcenter, beim Business-Coach,
auf Partys ihrer Freunde erfährt die Außenseiterin, wie die
Gewinner dieser Arbeitswelt jeden Zweifel wegargumentieren.
Selbst die Emanzipation scheint nur Mittel zum Zweck: Flexible
Frauen werden gelobt und gleichzeitig ausgenutzt – als billige
Arbeitskräfte und dazuverdienende Ehefrauen. In einem Wechsel
von Handlung und philosophischer Betrachtung erzählt dieser
Spielfilm vom Scheitern einer unangepassten Frau.
FRITZ BAUER – TOD AUF RATEN
D 2010 | Regie: Ilona Ziok, 97 Min., Dok., DF / Audiodeskription
/ UT für Gehörlose
„Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart
und kann wieder Zukunft werden“. Dieses Zitat spiegelt am
besten wider, was den Juristen Fritz Bauer in den 1950er
und 1960er Jahren bei der juristischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
in Deutschland antreibt. Für ihn spielte die Justiz eine
entscheidende Rolle beim Wiederaufbau der Demokratie. Als
Staatsanwalt rehabilitierte er die Attentäter vom 20. Juli
1944 und initiierte die Frankfurter Auschwitzprozesse. In
der Bundesrepublik löste Bauer damit erstmals eine breite
öffentliche Diskussion über den Holocaust aus. Die Dokumentation
führt in eine Zeit, in der vor allem die ältere Generation
in Deutschland die NS-Vergangenheit verdrängte. 1968 starb
Fritz Bauer. Sein überraschender Tod ist bis heute ungeklärt.
MONICA UND DAVID
Monica and David, USA 2009 | Regie: Alexandra Codina, 68
Min, Dok.,
DF (dt. Voiceover bei engl. Originalsprache) / Audiodeskription
/ UT für Gehörlose
Monica und David heiraten. Die Zeremonie ist romantisch,
wie aus einem Hochzeitsmagazin. Dass die junge Frau und ihr
Freund sich das Jawort geben, ist außergewöhnlich: Beide
haben das Down-Syndrom, und Menschen mit dieser Behinderung
heiraten selten. Die Cousine der Braut, Alexandra Codina,
hat einen Film über das erste Ehejahr der beiden gedreht.
Sie begleitet das Paar bei der Jobsuche und beim Umzug, dokumentiert
Monicas Ordnungsfimmel und Davids Eifersucht auf ihren Ex.
Ein intimes, unverkrampftes Porträt zweier Menschen, die
ihr eigenes Leben gestalten – auch wenn sie immer auf fremde
Hilfe angewiesen sein werden.
RAINBOW WARRIORS
The Rainbow Warriors of Waiheke Island, NL 2009 Regie: Suzanne
Raes, 89 Min., Dok., OmU / Audiodeskription / UT für Gehörlose
Die „Rainbow Warrior“ setzt 1978 Kurs auf Island. Es ist
die erste von vielen Missionen, auf denen die junge Crew
ihr Leben riskieren wird. Bis Mitte der Achtzigerjahre ist
das legendäre Schiff von Greenpeace im Einsatz. Die Mannschaft
durchkreuzt die Schussbahn von Walfängern, legt sich mit
Atommüll-Frachtern an und demonstriert am Mururoa-Atoll gegen
Nukleartests. Für ihre Verwegenheit werden die Akti vis ten
gefeiert wir Rockstars. Und heute? In der Dokumentation blicken
die Öko-Idole zurück, stolz und selbstkritisch. Das tragische
Ende der Rainbow Warrior lässt sie noch immer nicht los.
ROUGH AUNTIES
Rough Aunties, GB/RSA 2008 Regie: Kim Longinotto, 103 Min.,
Dok., OmU / Audiodeskription / UT für Gehörlose
Wenn Kinder Opfer von Missbrauch werden, verstummen sie oft
aus Scham und Angst. Diese Mädchen und Jungen zum Reden zu
bringen, ist Ziel der Hilfsorganisation Bobbi Bear im südafrikanischen
Durban. Ihre Mitarbeiterinnen betreuen missbrauchte Kinder
und setzen sich dafür ein, dass die Schuldigen vor Gericht
kommen. Gegner der engagierten Frauen sind nicht nur korrupte
Beamte, die Täter wieder laufen lassen. Auch die patriarchalische
Zulu-Kultur ist oft ein Hindernis: Probleme werden totgeschwiegen,
Sexualität ist Tabu. Mit Wut und Herzlichkeit appellieren
die „Tanten“ von Bobbi Bear vor allem an die Frauen, für
die Rechte ihrer Kinder einzustehen.
TEENAGE RESPONSE
D 2009 | Regie: Eleni Ampelakiotou, 160 Min., Dok., DF /
Audiodeskription / UT für Gehörlose
„Alles in Plastik gepackt, alles abwaschbar“, so sieht Anton
das kontrollierte Leben der Erwachsenen. Er ist einer von
13 Berliner Jugendlichen, die der Kritik an ihrer Generation
ihre eigenen Geschichten und Gedanken entgegensetzen. In
„Teenage Response“ zeichnet die Regisseurin Eleni Ampelakiotou
unverfälschte Porträts von Heranwachsenden. Sanft, angriffslustig,
ernst und poetisch schildern die Jugendlichen ihre Erlebnisse
in der Familie, unter Freunden, in der Schule und in der
Liebe. Fakten wie Alter, Abschluss oder Ausbildung interessieren
nicht, es geht um das Innere der jungen Menschen. Der Film
durchwebt ihre Erzählungen mit eindringlicher Musik, Licht-
und Rauminstallationen, die ihre starken Charaktere widerspiegeln. |