Einar Schleef war Theatermacher, Bühnenbildner, Schriftsteller, Fotograf, Maler und Filmemacher. Ein Gesamtkünstler aus der Mitte Deutschlands, der in keinem Deutschland ein Zuhause fand – und deshalb sein genauester Chronist ist. Einar Schleef grub sich mit allen künstlerischen Mitteln in die deutsche Realität hinein, in die Abgründe der deutschen Geschichte, die er in die Gegenwart holte. Schleef hat diese Realität gefühlt, erlitten, geatmet, geschmeckt. Und sie aufgeschrieben, inszeniert, fotografiert, gemalt. Von Schleef lässt sich lernen, wer wir sind, wo wir herkommen, und was heute in diesem Land passiert. Geboren in der ostdeutschen Provinz, aufgewachsen in der Nachkriegs-DDR, erste Theatererfolge in Ostberlin, die auch gleich Skandale sind. Das Überleben in der Diktatur, Flucht. Das Nicht-Ankommen-Können im Westen, Depression, und nach langer Pause zurück an das Westdeutsche Theater, wo Schleef einschlägt wie ein Blitz.
Mit jeder Inszenierung sprengt Schleef das deutsche Sprechtheater. Erzählt vom Krieg, der noch stattfindet, von Fremdenhass und der Fremdheit zwischen Ost und West, die sich für Schleef nie aufgelöst hat. "Die Tragödie ist die Welt, wie sie ist", sagt Schleef. "Die Komödie ist die Erholung davon." Schleef konnte sich nicht erholen. Schleefs großes Thema ist das Gefangensein im eigenen Körper, in der eigenen Geschichte. Und der Versuch zu entkommen. Ganz unmittelbar, wenn Schleef, seit der Kindheit mit einer schweren Sprachhemmung ringend, auf der Bühne in freier Rede das Stottern überwindet. In seiner Person und seiner Kunst stecken eine Vision, eine Wut, eine Kraft und ein überraschender Humor, an denen wir uns "hochpumpen können". So würde Schleef es sagen. |
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