
sehsüchte, 35. internationales Studentenfilmfestival
Den Filmemachern sind bei der Bewerbung weder thematisch noch formell Grenzen gesetzt. Umso erstaunlicher ist es, dass sich viele Werke mit ähnlichen Problemen befassen. „Egal aus welchem Winkel der Welt die Filme kommen“, sagt Katharina Bergfeld, „die Themen, die die Menschen bewegen, scheinen überall die gleichen zu sein.“ Ob Filme aus dem Iran, aus Singapur oder Jamaica – die Inhalte zeigen, wie Menschen in verschiedenen Umfeldern mit denselben Schwierigkeiten unterschiedlich umgehen. Dies vermittelt ein Gefühl von Gleichheit und offeriert eine Chance voneinander zu lernen. In diesem Sinn leistet sehsüchte einen wertvollen Beitrag zur Verständigung zwischen den Kulturen.
Unter dem diesjährigen Motto „sehsüchte im Goldrausch“ versteht sich das Studentenfilmfestival als Goldgrube des internationalen jungen Films, zeigt Goldstücke aus Russland und verleiht Potsdam einen goldenen Glanz.
Die über 60 eingereichten Filme zeigen, welche Themen junge Leute in Russland bewegen. In nicht wenigen Werken spielen Vater-Sohn- Konflikte oder die Beziehung zur Mutter eine Rolle. „Bei der Sichtung der Filme ist uns außerdem aufgefallen, dass sich der Filmemachernachwuchs oft mit der Weite und Schönheit der russischen Landschaften auseinandersetzt“, sagt Julia Schwartz, die den Fokus Russland betreut. So erzählt etwa „A Fisherman“ mit atemberaubenden Bildern eine Geschichte über den Einklang von Mensch und Natur. Auch Dokumentationen werden auf dem Festival zu sehen sein, so etwa „Chernobyl 2“, mit dem sich die Besucher auf einen beeindruckend positiven Film über einen kranken Mann, den die Liebe am Leben hält, freuen können. Erstmalig wird in diesem Jahr ein Fokus-Dialog-Preis in Höhe von 1 000 Euro vom Auswärtigen Amt vergeben.
| Preisträger des 35. Studentenfilmfestivals sehsüchte |
Die zehn begehrten Preise im Gesamtwert von 34 300 Euro wurden heute in den Thalia-Kinos in Potsdam-Babelsberg vergeben. Nach sechs Tagen konnte das Studentenfilmfestival bei den Kinovorstellungen und Rahmenprogrammveranstaltungen auch in diesem Jahr wieder über 10 000 Besucher verzeichnen. Besonders gefragt waren die Vorstellungen am Freitagnachmittag und am Samstag. In den Filmblöcken „Passion“ etwa, „Der Sonne entgegen“ oder „Schaffenskrise“ mussten einige Kinofans sogar mit den Treppenabsätzen im Kino vorlieb nehmen.
Die Jurys haben über die zehn besten Leistungen des Filmnachwuchses entschieden teilweise auch lobende Erwähnungen ausgesprochen. Und die Gewinner sind: Preis gegen Ausgrenzung Rexi Tom Wellers Angriff auf das Propagandabild vom „gesunden arischen“ Körper und Menschen konnte die Jury überzeugen: „Fest der Liebe (Celebration of love)“ gewinnt den Preis gegen Ausgrenzung, der von der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen gestiftet und mit 2 500 Euro dotiert ist.
Spielfilmpreis
Jonas Embrings beeindruckender Film über ein Mädchen, das verzweifelt versucht die Menschen um sie herum auf ihre Probleme aufmerksam zu machen „Slå tillbaka (Strike back)“ gewinnt in diesem Jahr den Spielfilmpreis. Er wird gestiftet von der a+m Mediengruppe und ist mit 3 000 Euro dotiert. Eine lobende Erwähnung erhält der Film „Knospen wollen explodieren (Exploding Buds)” von Petra Schröder.
Dokumentarfilmpreis
Die Produktion „Kinder der Schlafviertel (Streetpunktmoskow)“ von Janna Ji Wonders und Korinna Krauss gewinnt den Dokumentarfilmpreis im Wert von 5 000 Euro, der vom rbb Fernsehen gestiftet wird. Die Jury begründete ihr Wahl mit den Worten: „Die Filmemacherinnen haben uns die Tür aufgestoßen zu einer Welt, die zunächst fremd und abstoßend wirkt und haben dann langsam, Stück für Stück Momente der Wahrheit herausgekritzelt, haben Stilwillen gezeigt und haben den Schauplatz ihres Dramas nie verlassen. Sie schaffen es, ein facettenreiches Porträt einer Randgruppe im heutigen Russland zu erzählen, ohne die „großen Fragen“, die eine Gesellschaft in Zeiten des Umbruch bewegen, aus den Augen zu verlieren.“ Eine lobende Erwähnung erhält der Film „Kohle, Dosen und schwarze Löcher“ von Jakub Bejnarowicz und Agnieszka Gomulka.
Deutscher Nachwuchsfilmpreis
Der Deutsche Nachwuchsfilmpreis, gestiftet von Kodak und Studio Babelsberg/Elektrofilm für Filmmaterial und die Filmentwicklung im Wert von 2 500 Euro, geht in diesem Jahr an „Kopfende Hassloch (Mapping the German)“ von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier. „Wir haben einen Film gefunden, der äußerst komisch war und doch ein sonderbares Gefühl der Beklemmung hinterließ“, begründete die Jury ihre Wahl. „Der Film spielt in Deutschland und stellt einen Ort vor, an dem keiner von uns gerne leben würde, obwohl er aufs Beste und Genaueste unser aller Dasein repräsentiert. Es war spannend, sich diesem Spiegelbild unserer Gesellschaft auf eine derart amüsante Art zu nähern. [...] Für solch eine Darstellung sollte sich der Nachwuchs stark machen.“
Schnittpreis
„Floh! (Flea)“ aus der Schweiz von Christine Wiederkehr erhält in diesem Jahr den Schnittpreis, der von Avid Technology in Form der Schnittsoftware Avid Xpress Pro im Wert von 1 800 Euro gestiftet wird. Für den Schnitt ist die Cutterin Cécile Welter verantwortlich.
Fokus-Dialog-Preis
Den Fokus-Dialog-Preis, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wird, gewinnt der russische Film „Dvier (The Door)“ von Vladimir Kott. Er ist mit 1 000 Euro dotiert und wird vom Auswärtigen Amt gestiftet. Produzentenpreis 13 000 Euro, gestiftet von Das Werk Novalis für eine Verwendung in der Postproduktion, gehen in diesem Jahr an „Richtung Leben (Life – This Way)“ von Anne Hoever und Katharina Jakobs. Eine lobende Erwähnung erhält „Mondscheinkinder“ von Jamila Wenske (Producerin) aus Deutschland.
Drehbuchpreis
Vier noch unverfilmte Drehbücher haben bei der prominent besetzten Jury um den Drehbuchpreis gekämpft, der mit 1 500 Euro dotiert und von der Boje Buck Produktion gestiftet ist. Das Gewinnerbuch ist „Komm rein“ von Bodo von Braunmühl.
Animationsfilmpreis
Die Firma Softimage stiftete die Animationssoftware Softimage I XSI 5.0 Essentials in Wert von 1 800 Euro für den besten Animationsfilm. Gewonnen hat der deutsche Film „Delivery“ von Till Nowak. Eine lobende Erwähnung erhält „It’s a wonderful life“ von Manolo Andrade Gorab und Clement Beauvais aus Australien.
Publikumspreis
Der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam Jan Jacobs stiftete auch in diesem Jahr den Publikumspreis im Wert von 2 000 Euro. „Kohle, Dosen und schwarze Löcher“ von Jakub Bejnarowicz und Agnieszka Gomulka konnten die meisten Zuschauer überzeugen.