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Aufmacher   Jafar Panahi
  Der Regisseur mit Berufsverbot
   
 
Wegen Unterstützung der Opposition sind im Iran der Regisseur Dschafar Panahi und der Filmemacher Mohammed Rasulow zu jeweils sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Panahi ist zusätzlich mit einem 20-jährigen Berufsverbot und einer ebenso langen Ausreisesperre belegt worden, teilte sein Anwalt mit. Der Regisseur darf in dieser Zeit keine Drehbücher mehr schreiben, Filme machen, Interviews geben. Jafar Panahis Film "Der Kreis", der im Iran nicht gezeigt werden durfte, hat im Jahr 2000 den Goldenen Löwen von Venedig erhalten. Sein Film "Offside" gewann 2006 auf der Berlinale den Silbernen Bären. Die Festnahme des Filmemachers hatte international Proteste hervorgerufen, dem sich auch Regisseure wie Steven Spielberg, Martin Scorsese , Oliver Stone und Sean Penn anschlossen. Der Filmemacher Rafi Pitts ruft alle Beschäftigten in der Filmindustrie zur Unterstützung auf. Am Jahrestag der Revolution soll die Arbeit niedergelegt werden.
Der iranische Filmemacher Jafar Panahi    
     
Offener Brief an Ahmadinedschad  - VON RAFI PITTS
 

An Herrn Ahmadinedschad,

1979 fand eine Revolution statt. Tatsächlich feiern wir am 11. Februar 2011 das 32. Jubiläum der iranischen Revolution. Der Grund, warum ich Sie daran erinnern möchte, ist folgender: Ich habe den Eindruck, Sie haben vergessen, warum das alles passiert ist. Vielleicht irre ich mich, vielleicht müssten Sie sich einfach erklären. Vielleicht haben Sie Ihre eigene Definition von unserer Revolution. In diesem Falle sollten Sie die Frage beantworten: Warum hatten wir 1979 eine Revolution, was glauben Sie? Es ist auch an der Zeit, dass Sie klarstellen, warum Sie FilmemacherInnen weggesperren lassen. Was sind Ihre Gründe dafür, im Namen der Revolution ein Leben zu beenden, eine Karriere? Vielleicht stelle ich die falschen Fragen: Vielleicht dreht sich alles nur um Ihre Wiederwahl?



Ein sehr enger Freund, Dschafar Panahi, einer der wichtigsten Regisseure, den ich als Person absolut respektiere und dessen Filme ich bewundere, wurde von Ihrer Regierung verhaftet, mit Ihrem Gesetz. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er die Absicht hatte, einen Film zu machen. Sechs Jahre, weil man einen Film drehen möchte, sechs Jahre Haft für eine Idee. Und als ob das nicht reicht, habt Ihr ihm auch noch zwanzig Jahre Berufsverbot erteilt und die Reisefreiheit genommen. Während der nächsten zwanzig Jahre darf Panahi seine Heimat nicht mehr verlassen.


Ein anderer wichtiger junger Filmemacher, Mohammed Rasoulof, wurde mit derselben Strafe belegt. Sein Verbrechen: Er hat mit Dschafar zusammengearbeitet. Beide wurden bestraft,weil sie für ihren Kollegen eingestanden haben. Weil sie die Ereignisse von Juni 2009 verstehen wollten. Weil sie um die Toten trauerten, die der Konflikt während der Wahlen gefordert hat. Dabei - muss ich Sie daran erinnern? - hatten alle Kandidaten die offizielle Erlaubnis, an der Präsidentschaftswahl teilzunehmen. Die Entscheidung der Wähler war eindeutig und sie war absolut legal. Dschafar Panahi und Mohammed Rasoulof haben gemeinsam mit der Mehrheit der Filmindustrie ihre Entscheidung getroffen. Und daraus wurde die Grüne Bewegung. Wir hatten das Recht dazu. Wir haben legal gehandelt.


Glauben Sie, es ist falsch, wissen zu wollen, warum Menschen während unserer letzten Wahl ihr Leben verloren haben? Glauben Sie wirklich, unser Land weiß nichts von der Gewalt, die durch die offiziellen Wahlergebnisse verursacht wurde? Ist es ein Verbrechen, dass Panahi einen weiteren Film drehen möchte? Ist es ein Verbrechen, dass Rasoulof die Realität befragt? Oder dass Filmemacher der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten? Fürchten Sie eine Ansicht, die Ihrer widerspricht?

In diesem Falle, bitte antworten Sie auf meine Frage: Warum hatten wir eine Revolution?




Berlinale protestiert gegen Strafen für oppositionelle Regisseure in Iran

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin verurteilen aufs Schärfste die harten Strafen, die gegen den renommierten iranischen Regisseur Jafar Panahi und seinen Regie-Kollegen Mohammed Rasulof verhängt wurden. Unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“ wurde Panahi zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt, Rasulof zu ebenfalls sechs Jahren Haft. In seinen Filmen setzt sich Jafar Panahi kritisch mit der sozialen Situation in seinem Heimatland auseinander und er gehört zu den Unterstützern der Oppositionsbewegung gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Die Verurteilung der beiden Künstler ist ein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst. Das uneingeschränkte Versammlungsrecht sowie Rede- und Meinungsfreiheit sind nicht nur Teil der internationalen Menschenrechtskonventionen, die Iran mit unterschrieben hat, sondern auch Teil des iranischen Grundgesetzes. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin haben den renommierten iranischen Regisseur Jafar Panahi in die Internationale Jury der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen.

 
 
 
   
   
  MMM/Dezember 2010  




 

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