Erste
Filme für den Wettbewerb bestätigt
Die ersten acht Titel für das Wettbewerbsprogramm der 58.
Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest. Die Filme
kommen aus China, Brasilien, Mexiko, Großbritannien, USA,
Polen und Deutschland.
Doris Dörrie (Männer, Der Fischer und seine Frau) erzählt
in ihrem jüngsten Film
Kirschblüten – Hanami (Deutschland)
die Geschichte des unheilbar an Krebs erkrankten Rudi, gespielt
von Elmar Wepper. Als seine lebenslustige und esoterische
Frau (Hannelore Elsner) unerwartet stirbt, beginnt der Witwer,
ihr Leben mit neuen Augen zu sehen. (Weltpremiere)
Aus den USA kommt
There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson
(Magnolia, Goldener Bär 2000). Die Verfilmung von Upton Sinclairs
Roman „Oil“ erzählt vom sagenhaften Aufstieg eines erfolglosen
Silberminenbesitzers zum US-Ölmagnaten am Beginn des 20.
Jahrhunderts. In der zentralen Figur des Daniel Plainview
brilliert Daniel Day-Lewis (Gangs Of New York). (Internationale
Premiere)
Der chinesische Regisseur Wang Xiaoshuai (Beijing Bicycle,
Silberner Bär 2001) nimmt mit
Zou You (In Love We Trust)
erneut am Berlinale-Wettbewerb teil. Die Mutter eines an
Krebs erkrankten Kindes möchte das Erstgeborene retten und
geht dabei ungewöhnliche Wege. Die Hauptrollen spielen Liu
Weiwei, Zhang Jiayu und Yu Nan.(Weltpremiere)
2003 nahm er am Berlinale Talent Campus teil, nun kehrt der
mexikanische Filmemacher Fernando Eimbcke mit seinem zweiten
Spielfilm
Lake Tahoe nach Berlin zurück: Hauptfigur ist ein
Sechzehnjähriger, der den plötzlichen Tod seines Vaters verarbeiten
muss. Die Hauptrollen spielen Diego Cataño, Héctor Herrera,
Daniela Valentine, Juan Carlos Lara und Yemil Sefani. (Weltpremiere)
Gardens of the Night (Großbritannien/USA) von Damian Harris
beschreibt das Schicksal zweier Kinder, die entführt und
über neun Jahre fest gehalten werden. Zurück in der Freiheit
sind sie gezwungen, sich auf der Straße allein durchzuschlagen.
Zu den Darstellern gehören Gillian Jacobs, Evan Ross, Tom
Arnold und John Malkovich. (Weltpremiere)
Oscar-Preisträger Andrzej Wajda, der bereits dreimal im Berlinale-Wettbewerb
vertreten war und 2006 mit dem Goldenen Ehrenbären für sein
Lebenswerk ausgezeichnet wurde, präsentiert sein jüngstes
Werk
Katy? außer Konkurrenz. Der Film thematisiert das lang
tabuisierte Massaker an tausenden polnischen Kriegsgefangenen
durch den sowjetischen Geheimdienst 1940. Die Hauptdarsteller
sind Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski und Andrzej Chyra.
(Internationale Premiere)
In Brasilien hat
Tropa de Elite (The Elite Squad) alle Zuschauerrekorde
gebrochen. Die Berlinale 2008 zeigt diesen politischen Thriller
im Wettbewerb. Regisseur José Padilha (Bus 174) thematisiert
den ungeheuren Einfluss der Drogenmafia auf die ärmsten Bewohner
Brasiliens und zeigt den Alltag einer brutalen und von Korruption
durchsetzten Spezialeinheit der brasilianischen Militärpolizei.
Zu den Hauptdarstellern gehören Wagner Moura, Caio Junqueira
und André Ramiro. (Internationale Premiere)
Mit
S.O.P. Standard Operating Procedure (USA) erinnert der
berühmte Dokumentarist und Oscar-Preisträger Errol Morris
(The Fog Of War, 2003) an die Skandale um Menschenrechtsverletzungen
im Gefängniskomplex Abu Ghraib bei Bagdad und beleuchtet
Hintergründe des so genannten „Antiterrorkrieges“. (Weltpremiere)
Die Auswahl zum Wettbewerbsprogramm der 58. Internationalen
Filmfestspiele Berlin wird bis Mitte Januar 2008 abgeschlossen
sein.
Hingehen,
wo es weh tut: Erste Filme für die Perspektive
Deutsches Kino ausgewählt
Heraus zum 1. Mai mitten im Februar – der Berliner
Spielfilm 1. Mai – Das Ende vom Lied wird am 8. Februar 2008
die nunmehr siebente Ausgabe der Reihe Perspektive Deutsches
Kino eröffnen. Der episodisch konzipierte Film unter der Regie
von Jakob Ziemnicki, Sven Taddicken (Emmas Glück) und dem Duo
Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser erzählt Geschichten
vom Mythos und der Wahrheit des Tages der Arbeit im heutigen
Kreuzberg. 24 Stunden zwischen dem Lausitzer Platz und dem
Urban Krankenhaus, zwischen Polit-Parade und Karneval der Blessuren.
Drei Storys, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort spielen,
verschmelzen zu einem Film. Mit sieben Filmen steht vor Weihnachten
die Hälfte des Sektionsprogramms fest.
Die Themen von heute
sind auch die Themen der Filmemachergeneration der Zukunft.
Das ist der inhaltliche Kern des diesjährigen Programms der
Perspektive Deutsches Kino, das wieder auf drei Säulen steht:
abendfüllende Spielfilme mit aufregenden Geschichten und Personen
vor und hinter der Kamera, thematisch und formal auffällige
Dokumentarfilme und starke Talentproben aus den deutschen Filmhochschulen.
So schafft es die Filmemacherin Steffi Niederzoll von der Kunsthochschule
für Medien in Köln (KHM) ihrer Protagonistin Lea nahe zu kommen,
ohne der Figur ihr Geheimnis zu nehmen. Das Geheimnis von Jakob,
der nur von seiner Umgebung für einen Mann gehalten wird, ist
der Katalysator für die Geschichte einer späten, aber nicht
zu späten Selbstfindung in dem Film Lostage von Bettina Eberhard
(ebenfalls KHM).
Auf der Suche nach sich selbst sind auch die
Helden in Teenage Angst von Thomas Stuber (Filmakademie Baden-Württemberg).
Dabei sind die Schüler eines elitären Internats in der Wahl
ihrer Mittel nicht zimperlich. Dort, wo der achtjährige Robin
um die Liebe seiner Eltern kämpft, kennt man das Wort Internat
nicht einmal. Der Film von Hanno Olderdissen (Student der Internationalen
Filmschule Köln) erzählt von Familienverhältnissen jenseits
der Schmerzgrenze. „Schon länger beobachten und präsentieren
wir Filme aus der jüngsten Filmemachergeneration, die inhaltlich
spannend sind und formal reif. In diesem Jahr fällt aber vor
allem auf, wie nah die Arbeiten thematisch an den Themen unserer
Zeit sind“, kommentiert Sektionsleiter Alfred Holighaus die
bisherige Auswahl. „Es geht um Gewalt unter Jugendlichen und
in Familien.
Es geht um Spiritualität, Intersexualität und
den Clash der Kulturen. Die Filmemacher gehen und sehen dahin,
wo es weh tut und wichtig ist.“ Beispielsweise auf dem Fußballplatz.
In dem Dokumentarfilm Football Under Cover von David Assmann
und Ayat Najafi liegt dieser Platz in Teheran und steht bereit
für ein Heimspiel der iranischen Damennationalmannschaft gegen
ein multikulturelles Frauenteam aus Berlin-Kreuzberg. Die Protagonisten
des Dokumentarfilms Jesus liebt dich von Lilian Frank, Michaela
Kirst, Robert Cibis und Matthias Luthardt interessieren sich
nicht für den Sport. Sie kommen aus der ganzen Welt zur Weltmeisterschaft
nach Deutschland, um die Fans auf den rechten Weg des Glaubens
zu führen..
Sex,
Handys und Winnipeg:
Das Forum der Berlinale eröffnet mit Guy Maddin
und Isabella Rossellini Zur Eröffnung am 8. Februar 2008 im
Delphi Filmpalast zeigt das 38. Forum Guy Maddins neuen Film
My Winnipeg und Isabella Rossellinis Kurzfilme Green Porno
als internationale Premiere. My Winnipeg ist eine verliebt-grimmige
Hommage an Maddins kanadische Heimatstadt, ein autobiografisches
Märchen, das Dokumentaraufnahmen gewitzt mit Re-Inszenierungen,
Familienfotos und alten Filmausschnitten kombiniert. In ihren
einminütigen Green Porno-Kurzfilmen unternimmt Isabella Rossellini
bunt-kostümierte Expeditionen in den Mikrokosmos. Getarnt als
männliches Insekt – als Glühwürmchen, Libelle und Spinne –
spürt sie der aufschlussreichen Frage nach: Wie machen es die
Insekten? Isabella Rossellini hat hier auch Regie geführt und
zeichnet als Ko-Produzentin verantwortlich. Die Green Porno-Kurzfilme
wurden gleichsam als "Quickies" für mobile Abspielgeräte
wie Handys und Videoplayer produziert. Sie werden daher im
Forum nicht nur im Vorprogramm zu My Winnipeg gezeigt, sondern
auch im Rahmen von Forum expanded zu sehen sein.
In einer assoziativen
Installation werden die drei Kurzfilme dem mikroskopischen
Blick der Insektenforschung ausgesetzt. Das lustvolle Experiment
spielt sowohl bei Green Porno als auch in My Winnipeg eine
gestaltende Rolle. Zur Eröffnung im Delphi kann das Publikum
Guy Maddins Spieltrieb auch live erleben: Der Kommentar von
My Winnipeg wird an diesem Abend vom Regisseur als Erzähler
auf der Bühne selbst eingesprochen. Für die technische Realisierung
sorgt der Berlinale-Partner Dolby Laboratories Inc. durch die
Bereitstellung des Dolby ScreenTalk-Systems. Guy Maddin zählt
zu den eigenwilligsten und bekanntesten Filmemachern Kanadas.
Isabella Rossellini und Maddin arbeiten regelmäßig an gemeinsamen
Projekten, beide sind auch dem Berlinale-Publikum als kreatives
Gespann bereits vertraut. Als Berlinale Special war 2006 ihr
gemeinsamer Film My Dad Is 100 Years Old zu sehen, eine Hommage
an Roberto Rossellini, den Vater der Schauspielerin. Einen
Festivalhöhepunkt setzten sie zuletzt im Forum der Berlinale
2007 mit der spektakulären Inszenierung von Maddins Brand Upon
the Brain! in der Deutschen Oper.
Gute
Aussichten für den European Film Market 2008
Der European Film Market (EFM) setzt Zeichen: Als erster Filmmarkt
des Jahres wird der EFM der Internationalen Filmfestspiele
Berlin vom 7. - 17. Februar 2008 wieder seine Pforten öffnen.
Die Verbindung von Filmmarkt und Festival gilt als eine seiner
großen Stärken: Nach dem dynamischen Wachstum der vergangenen
beiden Jahre konnte sich der EFM als einer der drei wichtigsten
Filmmärkte der Welt etablieren. Flankiert vom internationalen
Bedeutungszuwachs, den die Filmregion Berlin-Brandenburg im
vergangenen Jahr erlebt hat, wird der EFM seine Position 2008
weiter ausbauen: „Nach der erfolgreichen Neupositionierung
des Marktes im Jahr 2006 wollen wir jetzt die Position des
EFM als führende Größe im globalen Filmgeschäft stärken und
die Angebote für die internationale Filmbranche weiter optimieren,“
fasst Direktorin Beki Probst die Ziele der Marktorganisation
für den EFM 2008 zusammen. Die repräsentativen Ausstellungsflächen im Martin-Gropius-Bau
und den „EFM Exhibitor Offices“ im Bürogebäude am Potsdamer
Platz 11 sind bereits ausgebucht. Mit bisher 178 Firmenanmeldungen
aus 47 Ländern kann der EFM 2008 schon jetzt einen Zuwachs
gegenüber den Anmeldungen vom Vorjahr vermelden.
Berlinale
Talent Campus bleibt Magnet für
junge Filmemacher aus aller Welt -
Berlinale Talent Campus #6 vom 9. - 14. Februar
2008
Die Attraktivität des Berlinale Talent Campus ist auch im sechsten
Jahr seines Bestehens ungebrochen: 3304 junge Filmschaffende
aus 120 Ländern, darunter erstmals auch aus der Republik Trinidad
und Tobago sowie aus Vietnam, haben sich für den Berlinale
Talent Campus #6 beworben. 350 Bewerber werden eingeladen,
sich vom 9. – 14. Februar 2008 unter dem Titel „SCREENING EMOTIONS
– Cinema’s Finest Asset“ mit dem Campus-Schwerpunktthema auseinander
zu setzen. „Die Beschäftigung mit Emotionen im Kino ist ein
Blick ins Herz der Filmindustrie. Jedes Filmhandwerk dreht
sich um die Produktion von Emotionen. Zugleich aber sind sie
das nur sehr bedingt Kalkulierbare des Business, um das die
Faszination Film von jeher kreist“, so Dorothee Wenner, Leiterin
des Berlinale Talent Campus. Gemeinsam mit Berlinale-Gästen
und international renommierten Experten aus allen Bereichen
des Filmschaffens werden sich die Talente in Theorie und Praxis
mit den unterschiedlichen Facetten des Themas auseinandersetzen.
Veranstaltungsort des Campus ist erneut das „Hebbel am Ufer“
mit seinen drei Häusern HAU1, HAU2 und HAU3 in Berlin-Kreuzberg.
Mehr
Gewicht für den kurzen Film – Sektion Berlinale Shorts geht
in die zweite Runde
Unter ihrem neuen Namen Berlinale Shorts geht die Kurzfilm-Sektion
bei den 58. Internationalen Filmfestspielen Berlin in ihr zweites
Jahr. Mit der Einführung einer eigenen Sektion hatte das Festival
im Vorjahr einen Akzent gesetzt, der die Bedeutung des kurzen
Films für die Filmproduktion im Allgemeinen untermauert. „Der
Kurzfilm ist Spiegel des gesellschaftlichen Wandels. Er ist
radikal und ungebunden“, kommentiert Festivaldirektor Dieter
Kosslick. Ab 2008 werden alle Kurzfilme der Berlinale Shorts als Weltpremieren
präsentiert. „Dadurch werden aktuelle Tendenzen des internationalen
Filmschaffens unmittelbar auf der Leinwand sichtbar“, sagt
Maike Mia Höhne, die Kuratorin der Berlinale Shorts. „Über
1.500 Kurzfilmeinreichungen aus 64 Ländern sprechen von der
ungebrochenen Produktionslust dieser filmischen Form.“
Hommage
und Goldener Ehrenbär für Francesco Rosi
Die Hommage der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin ist
dem italienischen Regisseur Francesco Rosi gewidmet, der sich
in seinen Filmen kritisch mit den politischen, wirtschaftlichen
und geistigen Entwicklungen Italiens auseinandersetzt. Die
Hommage wird von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film
und Fernsehen verantwortet und umfasst eine Auswahl von 13
Filmen, u.a. so renommierte Werke wie Salvatore Giuliano (1961/62;
Silberner Bär), Le mani sulla città (1963; Goldener Löwe) und
Il caso Mattei (1971/72; Goldene Palme). Anlässlich der Hommage
wird Francesco Rosi am 14.02.2008 mit dem Goldenen Ehrenbären
für sein Lebenswerk ausgezeichnet
Oscar-Preisträger
Costa-Gavras wird Jury- Präsident
Der griechisch-französische Regisseur Costa-Gavras wird Präsident
der Internationalen Jury der Berlinale 2008.
Der in Frankreich lebende Regisseur griechischer Herkunft gehört
zu den renommiertesten Vertretern des engagierten, politischen
Films. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und sein
Film Z gehört zu den Klassikern des politischen Kinos. Costa-Gavras
ist auch Präsident der französischen Cinemathèque. „Ich freue mich, dass wir einen großartigen Regisseur wie Costa-Gavras
als Jury-Präsidenten gewinnen konnten“, sagt Berlinale-Direktor
Dieter Kosslick. „Seine Arbeit vereint Gesellschaftskritik
und große Kunst.“
http://www.berlinale.de
http://www.berlinale-talentcampus.de
Internationale
Forum des Jungen Films
http://www.teddyaward.org/
MMEANSMOVIE Berlinale 2007