MEANSMOVIE Filmmagazin aus Berlin  
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58. Internationale Filmfestspiele Berlin (07. - 17.02.2008)  


 
Erste Filme für den Wettbewerb bestätigt
Die ersten acht Titel für das Wettbewerbsprogramm der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin stehen fest. Die Filme kommen aus China, Brasilien, Mexiko, Großbritannien, USA, Polen und Deutschland.

Doris Dörrie (Männer, Der Fischer und seine Frau) erzählt in ihrem jüngsten Film Kirschblüten – Hanami (Deutschland) die Geschichte des unheilbar an Krebs erkrankten Rudi, gespielt von Elmar Wepper. Als seine lebenslustige und esoterische Frau (Hannelore Elsner) unerwartet stirbt, beginnt der Witwer, ihr Leben mit neuen Augen zu sehen. (Weltpremiere)

Aus den USA kommt There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson (Magnolia, Goldener Bär 2000). Die Verfilmung von Upton Sinclairs Roman „Oil“ erzählt vom sagenhaften Aufstieg eines erfolglosen Silberminenbesitzers zum US-Ölmagnaten am Beginn des 20. Jahrhunderts. In der zentralen Figur des Daniel Plainview brilliert Daniel Day-Lewis (Gangs Of New York). (Internationale Premiere)

Der chinesische Regisseur Wang Xiaoshuai (Beijing Bicycle, Silberner Bär 2001) nimmt mit Zou You (In Love We Trust) erneut am Berlinale-Wettbewerb teil. Die Mutter eines an Krebs erkrankten Kindes möchte das Erstgeborene retten und geht dabei ungewöhnliche Wege. Die Hauptrollen spielen Liu Weiwei, Zhang Jiayu und Yu Nan.(Weltpremiere)

2003 nahm er am Berlinale Talent Campus teil, nun kehrt der mexikanische Filmemacher Fernando Eimbcke mit seinem zweiten Spielfilm Lake Tahoe nach Berlin zurück: Hauptfigur ist ein Sechzehnjähriger, der den plötzlichen Tod seines Vaters verarbeiten muss. Die Hauptrollen spielen Diego Cataño, Héctor Herrera, Daniela Valentine, Juan Carlos Lara und Yemil Sefani. (Weltpremiere)

Gardens of the Night (Großbritannien/USA) von Damian Harris beschreibt das Schicksal zweier Kinder, die entführt und über neun Jahre fest gehalten werden. Zurück in der Freiheit sind sie gezwungen, sich auf der Straße allein durchzuschlagen. Zu den Darstellern gehören Gillian Jacobs, Evan Ross, Tom Arnold und John Malkovich. (Weltpremiere)

Oscar-Preisträger Andrzej Wajda, der bereits dreimal im Berlinale-Wettbewerb vertreten war und 2006 mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, präsentiert sein jüngstes Werk Katy? außer Konkurrenz. Der Film thematisiert das lang tabuisierte Massaker an tausenden polnischen Kriegsgefangenen durch den sowjetischen Geheimdienst 1940. Die Hauptdarsteller sind Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski und Andrzej Chyra. (Internationale Premiere)

In Brasilien hat Tropa de Elite (The Elite Squad) alle Zuschauerrekorde gebrochen. Die Berlinale 2008 zeigt diesen politischen Thriller im Wettbewerb. Regisseur José Padilha (Bus 174) thematisiert den ungeheuren Einfluss der Drogenmafia auf die ärmsten Bewohner Brasiliens und zeigt den Alltag einer brutalen und von Korruption durchsetzten Spezialeinheit der brasilianischen Militärpolizei. Zu den Hauptdarstellern gehören Wagner Moura, Caio Junqueira und André Ramiro. (Internationale Premiere)

Mit S.O.P. Standard Operating Procedure (USA) erinnert der berühmte Dokumentarist und Oscar-Preisträger Errol Morris (The Fog Of War, 2003) an die Skandale um Menschenrechtsverletzungen im Gefängniskomplex Abu Ghraib bei Bagdad und beleuchtet Hintergründe des so genannten „Antiterrorkrieges“. (Weltpremiere)

Die Auswahl zum Wettbewerbsprogramm der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin wird bis Mitte Januar 2008 abgeschlossen sein.

Hingehen, wo es weh tut: Erste Filme für die Perspektive Deutsches Kino ausgewählt

Heraus zum 1. Mai mitten im Februar – der Berliner Spielfilm 1. Mai – Das Ende vom Lied wird am 8. Februar 2008 die nunmehr siebente Ausgabe der Reihe Perspektive Deutsches Kino eröffnen. Der episodisch konzipierte Film unter der Regie von Jakob Ziemnicki, Sven Taddicken (Emmas Glück) und dem Duo Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser erzählt Geschichten vom Mythos und der Wahrheit des Tages der Arbeit im heutigen Kreuzberg. 24 Stunden zwischen dem Lausitzer Platz und dem Urban Krankenhaus, zwischen Polit-Parade und Karneval der Blessuren. Drei Storys, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort spielen, verschmelzen zu einem Film. Mit sieben Filmen steht vor Weihnachten die Hälfte des Sektionsprogramms fest.

Die Themen von heute sind auch die Themen der Filmemachergeneration der Zukunft. Das ist der inhaltliche Kern des diesjährigen Programms der Perspektive Deutsches Kino, das wieder auf drei Säulen steht: abendfüllende Spielfilme mit aufregenden Geschichten und Personen vor und hinter der Kamera, thematisch und formal auffällige Dokumentarfilme und starke Talentproben aus den deutschen Filmhochschulen. So schafft es die Filmemacherin Steffi Niederzoll von der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM) ihrer Protagonistin Lea nahe zu kommen, ohne der Figur ihr Geheimnis zu nehmen. Das Geheimnis von Jakob, der nur von seiner Umgebung für einen Mann gehalten wird, ist der Katalysator für die Geschichte einer späten, aber nicht zu späten Selbstfindung in dem Film Lostage von Bettina Eberhard (ebenfalls KHM).

Auf der Suche nach sich selbst sind auch die Helden in Teenage Angst von Thomas Stuber (Filmakademie Baden-Württemberg). Dabei sind die Schüler eines elitären Internats in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich. Dort, wo der achtjährige Robin um die Liebe seiner Eltern kämpft, kennt man das Wort Internat nicht einmal. Der Film von Hanno Olderdissen (Student der Internationalen Filmschule Köln) erzählt von Familienverhältnissen jenseits der Schmerzgrenze. „Schon länger beobachten und präsentieren wir Filme aus der jüngsten Filmemachergeneration, die inhaltlich spannend sind und formal reif. In diesem Jahr fällt aber vor allem auf, wie nah die Arbeiten thematisch an den Themen unserer Zeit sind“, kommentiert Sektionsleiter Alfred Holighaus die bisherige Auswahl. „Es geht um Gewalt unter Jugendlichen und in Familien.

Es geht um Spiritualität, Intersexualität und den Clash der Kulturen. Die Filmemacher gehen und sehen dahin, wo es weh tut und wichtig ist.“ Beispielsweise auf dem Fußballplatz. In dem Dokumentarfilm Football Under Cover von David Assmann und Ayat Najafi liegt dieser Platz in Teheran und steht bereit für ein Heimspiel der iranischen Damennationalmannschaft gegen ein multikulturelles Frauenteam aus Berlin-Kreuzberg. Die Protagonisten des Dokumentarfilms Jesus liebt dich von Lilian Frank, Michaela Kirst, Robert Cibis und Matthias Luthardt interessieren sich nicht für den Sport. Sie kommen aus der ganzen Welt zur Weltmeisterschaft nach Deutschland, um die Fans auf den rechten Weg des Glaubens zu führen..

Sex, Handys und Winnipeg:
Das Forum der Berlinale eröffnet mit Guy Maddin und Isabella Rossellini Zur Eröffnung am 8. Februar 2008 im Delphi Filmpalast zeigt das 38. Forum Guy Maddins neuen Film My Winnipeg und Isabella Rossellinis Kurzfilme Green Porno als internationale Premiere. My Winnipeg ist eine verliebt-grimmige Hommage an Maddins kanadische Heimatstadt, ein autobiografisches Märchen, das Dokumentaraufnahmen gewitzt mit Re-Inszenierungen, Familienfotos und alten Filmausschnitten kombiniert. In ihren einminütigen Green Porno-Kurzfilmen unternimmt Isabella Rossellini bunt-kostümierte Expeditionen in den Mikrokosmos. Getarnt als männliches Insekt – als Glühwürmchen, Libelle und Spinne – spürt sie der aufschlussreichen Frage nach: Wie machen es die Insekten? Isabella Rossellini hat hier auch Regie geführt und zeichnet als Ko-Produzentin verantwortlich. Die Green Porno-Kurzfilme wurden gleichsam als "Quickies" für mobile Abspielgeräte wie Handys und Videoplayer produziert. Sie werden daher im Forum nicht nur im Vorprogramm zu My Winnipeg gezeigt, sondern auch im Rahmen von Forum expanded zu sehen sein.

In einer assoziativen Installation werden die drei Kurzfilme dem mikroskopischen Blick der Insektenforschung ausgesetzt. Das lustvolle Experiment spielt sowohl bei Green Porno als auch in My Winnipeg eine gestaltende Rolle. Zur Eröffnung im Delphi kann das Publikum Guy Maddins Spieltrieb auch live erleben: Der Kommentar von My Winnipeg wird an diesem Abend vom Regisseur als Erzähler auf der Bühne selbst eingesprochen. Für die technische Realisierung sorgt der Berlinale-Partner Dolby Laboratories Inc. durch die Bereitstellung des Dolby ScreenTalk-Systems. Guy Maddin zählt zu den eigenwilligsten und bekanntesten Filmemachern Kanadas. Isabella Rossellini und Maddin arbeiten regelmäßig an gemeinsamen Projekten, beide sind auch dem Berlinale-Publikum als kreatives Gespann bereits vertraut. Als Berlinale Special war 2006 ihr gemeinsamer Film My Dad Is 100 Years Old zu sehen, eine Hommage an Roberto Rossellini, den Vater der Schauspielerin. Einen Festivalhöhepunkt setzten sie zuletzt im Forum der Berlinale 2007 mit der spektakulären Inszenierung von Maddins Brand Upon the Brain! in der Deutschen Oper.
Gute Aussichten für den European Film Market 2008
Der European Film Market (EFM) setzt Zeichen: Als erster Filmmarkt des Jahres wird der EFM der Internationalen Filmfestspiele Berlin vom 7. - 17. Februar 2008 wieder seine Pforten öffnen.

Die Verbindung von Filmmarkt und Festival gilt als eine seiner großen Stärken: Nach dem dynamischen Wachstum der vergangenen beiden Jahre konnte sich der EFM als einer der drei wichtigsten Filmmärkte der Welt etablieren. Flankiert vom internationalen Bedeutungszuwachs, den die Filmregion Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr erlebt hat, wird der EFM seine Position 2008 weiter ausbauen: „Nach der erfolgreichen Neupositionierung des Marktes im Jahr 2006 wollen wir jetzt die Position des EFM als führende Größe im globalen Filmgeschäft stärken und die Angebote für die internationale Filmbranche weiter optimieren,“ fasst Direktorin Beki Probst die Ziele der Marktorganisation für den EFM 2008 zusammen. Die repräsentativen Ausstellungsflächen im Martin-Gropius-Bau und den „EFM Exhibitor Offices“ im Bürogebäude am Potsdamer Platz 11 sind bereits ausgebucht. Mit bisher 178 Firmenanmeldungen aus 47 Ländern kann der EFM 2008 schon jetzt einen Zuwachs gegenüber den Anmeldungen vom Vorjahr vermelden.

Berlinale Talent Campus bleibt Magnet für junge Filmemacher aus aller Welt -
Berlinale Talent Campus #6 vom 9. - 14. Februar 2008

Die Attraktivität des Berlinale Talent Campus ist auch im sechsten Jahr seines Bestehens ungebrochen: 3304 junge Filmschaffende aus 120 Ländern, darunter erstmals auch aus der Republik Trinidad und Tobago sowie aus Vietnam, haben sich für den Berlinale Talent Campus #6 beworben. 350 Bewerber werden eingeladen, sich vom 9. – 14. Februar 2008 unter dem Titel „SCREENING EMOTIONS – Cinema’s Finest Asset“ mit dem Campus-Schwerpunktthema auseinander zu setzen. „Die Beschäftigung mit Emotionen im Kino ist ein Blick ins Herz der Filmindustrie. Jedes Filmhandwerk dreht sich um die Produktion von Emotionen. Zugleich aber sind sie das nur sehr bedingt Kalkulierbare des Business, um das die Faszination Film von jeher kreist“, so Dorothee Wenner, Leiterin des Berlinale Talent Campus. Gemeinsam mit Berlinale-Gästen und international renommierten Experten aus allen Bereichen des Filmschaffens werden sich die Talente in Theorie und Praxis mit den unterschiedlichen Facetten des Themas auseinandersetzen. Veranstaltungsort des Campus ist erneut das „Hebbel am Ufer“ mit seinen drei Häusern HAU1, HAU2 und HAU3 in Berlin-Kreuzberg.

Mehr Gewicht für den kurzen Film – Sektion Berlinale Shorts geht in die zweite Runde
Unter ihrem neuen Namen Berlinale Shorts geht die Kurzfilm-Sektion bei den 58. Internationalen Filmfestspielen Berlin in ihr zweites Jahr. Mit der Einführung einer eigenen Sektion hatte das Festival im Vorjahr einen Akzent gesetzt, der die Bedeutung des kurzen Films für die Filmproduktion im Allgemeinen untermauert. „Der Kurzfilm ist Spiegel des gesellschaftlichen Wandels. Er ist radikal und ungebunden“, kommentiert Festivaldirektor Dieter Kosslick. Ab 2008 werden alle Kurzfilme der Berlinale Shorts als Weltpremieren präsentiert. „Dadurch werden aktuelle Tendenzen des internationalen Filmschaffens unmittelbar auf der Leinwand sichtbar“, sagt Maike Mia Höhne, die Kuratorin der Berlinale Shorts. „Über 1.500 Kurzfilmeinreichungen aus 64 Ländern sprechen von der ungebrochenen Produktionslust dieser filmischen Form.“

Hommage und Goldener Ehrenbär für Francesco Rosi
Die Hommage der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin ist dem italienischen Regisseur Francesco Rosi gewidmet, der sich in seinen Filmen kritisch mit den politischen, wirtschaftlichen und geistigen Entwicklungen Italiens auseinandersetzt. Die Hommage wird von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen verantwortet und umfasst eine Auswahl von 13 Filmen, u.a. so renommierte Werke wie Salvatore Giuliano (1961/62; Silberner Bär), Le mani sulla città (1963; Goldener Löwe) und Il caso Mattei (1971/72; Goldene Palme). Anlässlich der Hommage wird Francesco Rosi am 14.02.2008 mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Oscar-Preisträger Costa-Gavras wird Jury- Präsident
Der griechisch-französische Regisseur Costa-Gavras wird Präsident der Internationalen Jury der Berlinale 2008.
Der in Frankreich lebende Regisseur griechischer Herkunft gehört zu den renommiertesten Vertretern des engagierten, politischen Films. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und sein Film Z gehört zu den Klassikern des politischen Kinos. Costa-Gavras ist auch Präsident der französischen Cinemathèque. „Ich freue mich, dass wir einen großartigen Regisseur wie Costa-Gavras als Jury-Präsidenten gewinnen konnten“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. „Seine Arbeit vereint Gesellschaftskritik und große Kunst.“

 Links


http://www.berlinale.de
http://www.berlinale-talentcampus.de
Internationale Forum des Jungen Films
http://www.teddyaward.org/
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