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Mit
einem rasiermesserscharfen Schnitt
durch ein Auge fängt alles an:
Im Sommer 1929 hat Un chien andalou
(Ein andalusischer Hund) in Paris
Premiere. Publikum und Kritik
sind begeistert vom Debüt des
spanischen Regisseurs Luis Buñuel.
Nach diesem Erfolg löst sein
zweiter Film L’âge d’or (Das
goldene Zeitalter, 1930) eine
Welle der Empörung aus, Film
und Regisseur werden als „antiklerikal“
verunglimpft, und der französische
Staat verbietet L’âge d’or. Im
Laufe seines künstlerischen Schaffens
wird Luis Buñuel immer wieder
mit staatlicher und kirchlicher
Zensur zusammentreffen, besonders
spektakulär bei seiner spanisch-mexikanischen
Produktion Viridiana (Goldene
Palme Cannes 1961), die aufgrund
angeblicher Blasphemien den größten
Filmskandal der Franco-Ära auslöst.
Die Proteste seiner Gegner umgeben
den Regisseur und seine Filme
mit einer Aura des Verbotenen
und Anrüchigen. Die Skandalgeschichten
der Filme Luis Buñuels zeigen
aber auch, wie stark religiöse,
politische oder kulturelle Bewertungen
von den Zeitumständen beeinflusst
sind. |
Die
Retrospektive der 58. Internationalen
Filmfestspiele Berlin ehrt den 1983
verstorbenen spanischen Regisseur Luis
Buñuel mit einer umfassenden Werkschau
seiner Filme. Hinzu kommen Arbeiten,
bei denen er als Regie-Assistent, Drehbuchautor
oder Produzent tätig war. Ergänzend
zum Filmprogramm findet eine Veranstaltungsreihe
mit Vorträgen und Diskussionen statt.
Buñuel
zu klassifizieren ist unmöglich. Seine
Größe besteht im Beharren auf seiner
individuellen Sicht der Dinge. Er erfand
den filmischen Surrealismus, eckte
mit sozialkritischen Werken an und
erlangte Ruhm mit seinen sarkastischen
Porträts der europäischen Bourgeoisie“,
kommentiert der Leiter der Retrospektive,
Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor
der Deutschen Kinemathek – Museum für
Film und Fernsehen.
Nach
seinem Karrierestart in Frankreich,
lebt Buñuel in den folgenden Jahren
in Spanien und USA und geht in den
40er Jahren nach Mexiko, wo er wie
viele andere spanische Intellektuelle
und Künstler eine neue Heimat findet.
Mit rund 20 Filmen zählt seine mexikanische
Schaffensperiode zur produktivsten.
Los Olvidados (Die Vergessenen), ein
Film über mexikanische Straßenkinder,
ist 1951 Buñuels umjubeltes Comeback
in Cannes, für das er den Regie-Preis
erhält. In seinen mexikanischen Produktionen,
z.B. Él (Er, 1952/53), Ensayo de un
crimen (Das verbrecherische Leben des
Archibaldo de la Cruz, 1955) und El
ángel exterminador (Der Würgeengel,
1962), wird der ihm eigene Stil immer
augenfälliger. Wirklichkeit, Traum
und Einbildung stehen in seinen Filmen
gleichwertig nebeneinander, durchsetzt
von surrealen, buñuelesken Scherzen.
Der Nimbus des Subversiven, Obskuren
und Anti-Bourgeoisen umgibt auch sein
Spätwerk, das er vornehmlich in Frankreich
realisiert: von Belle de jour (Schöne
des Tages, 1966/67) über Le charme
discret de la bourgeoisie (Der diskrete
Charme der Bourgeoisie, 1972) und Le
fantôme de la liberté (Das Gespenst
der Freiheit, 1974) bis zu seinem letzten
Film Cet obscur objet du désir (Dieses
obskure Objekt der Begierde, 1977).
Luis
Buñuel hat mit Kinodiven wie Catherine
Deneuve (Belle de jour und Tristana),
Jeanne Moreau (Le journal d’une femme
de chambre), Silvia Pinal (Viridiana,
El ángel exterminador und Simón del
desierto) und Simone Signoret (La mort
en ce jardin/Pesthauch des Dschungels)
u.v.m. zusammengearbeitet. Enge Arbeitsbeziehungen
haben ihn auch mit Stars wie Fernando
Rey und Michel Piccoli und ganz besonders
mit dem französischen Drehbuchautoren
Jean-Claude Carrière verbunden.
Buñuel
gehörte zur künstlerischen Avantgarde
des 20. Jahrhundert und hat eine neue
Bildsprache im Kino entwickelt, die
heutige Filmemacher-generationen beeinflusst
hat; deshalb ehren wir mit unserer
Retrospektive das Werk dieses bedeutenden
Regisseurs“, sagt Berlinale-Direktor
Dieter Kosslick.
Die
Filmvorführungen der Retrospektive
finden im CinemaxX am Potsdamer Platz
und im Zeughauskino statt. Das Buch
zur Retrospektive mit Essays von Wolfgang
Martin Hamdorf, Marion Löhndorf und
Gerhard Midding und einem ausführlichen
Datenteil, der sämtliche Regiearbeiten
von Luis Buñuel mit zeitgenössischen
Kritiken und filmografischen Angaben
dokumentiert, erscheint im Berliner
Bertz + Fischer Verlag. Die Retrospektive
und die Publikation werden von der
Deutschen Kinemathek – Museum für Film
und Fernsehen verantwortet.
http://www.berlinale.de/
Wikipedia
Luis Buñuel
http://www.luisbunuel.org/
Internet
Movie Database Luis Buñuel
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